Ein heißer Mittag am Ufer des Genfersees war ungewöhnlich belebt. Ein Paar, das in einer abgelegenen Bucht nahe Villeneuve picknicken wollte, machte den klassischen Fehler: Der Fahrer bog von der asphaltierten Straße ab, um direkt am Wasser zu parken. Unter der dünnen Schicht aus trockenem Sand und Kies verbarg sich eine jahrelang gewachsene, schlammige Schicht, die vom Morgentau aufgeweicht und vom Seewasser durchtränkt war. Die Räder gruben sich sofort bis zu den Naben ein, der Unterboden setzte mit einem dumpfen Schlag auf dem zähen Grund auf. Eine Stunde aussichtslosen Durchdrehens machte alles nur noch schlimmer – das Auto glich einer Fliege, die in Bernstein erstarrt war, wobei der Bernstein hier aus klebrigem Küstenschlamm bestand.
Auf das Motorengeräusch und den beißenden Geruch nach durchgekuppelter Kupplung kamen sofort die ersten Badegäste herbeigelaufen. Der erste Rettungsversuch scheiterte: Die Besitzer eines nahegeparkten Jeeps boten zwar an, das Auto herauszuziehen, doch auch ihre Räder begannen sich in den weichen Boden zu graben. Jemand rief einen Abschleppwagen, doch der Disponent warnte ehrlich: Das schwere Gerät würde den lockeren Untergrund nicht riskieren, und die Wartezeit würde mindestens drei Stunden betragen. Die Sonne neigte sich dem Horizont zu, der Wasserspiegel des Sees begann langsam zu steigen – die Gezeitenströmungen des Genfersees drohten, das Auto bis zum Morgen zu überschwemmen. Die Stimmung des Fahrers sank rapide.
Da fragte einer der Schaulustigen, ein älterer Mann mit dem neugierigen Blick eines ehemaligen Mechanikers: „Was haben Sie im Kofferraum?“ Der Besitzer öffnete widerwillig die Klappe – dort lag, zwischen Angelzeug und Kinderspielzeug, ganz gewöhnlicher Krimskrams. Doch die Beute erwies sich als wahrer Lebensretter: eine alte Gummimatte aus dem Innenraum, ein Paar vergessener Schneeketten aus dem letzten Winterurlaub, ein leerer Plastikkanister und eine Rolle breites Klebeband. Der Mechaniker brummte zufrieden und begann eine improvisierte Lagebesprechung. In zehn Minuten war ein Plan ausgearbeitet, von dem professionelle Retter vermutlich entsetzt gewesen wären – der aber perfekt zur Situation passte.
Ein Team von acht Freiwilligen machte sich ans Werk. Die Gummimatte wurde in Streifen geschnitten und mit Klebeband um die Antriebsräder gewickelt, um die Traktion zu erhöhen. Die Schneeketten wurden über die Reifen gelegt – zum Glück war das Fahrzeug allradgetrieben. Der Kanister wurde mit einem Hammer, den ein Angler auslieh, plattgeklopft und zu einer harten Platte umfunktioniert, die unter die tiefste Stelle geschoben wurde. Der kräftigste Mann setzte sich ans Steuer, die anderen – darunter zwei Teenager und eine Frau mit ihrer Yogamatte – stellten sich hinten und an den Seiten an. Auf das Kommando „Los!“ brüllte der Motor auf, die Ketten bissen sich in den flüssigen Schlamm, und die Gruppe stemmte sich schreiend gegen das Fahrzeug.
Das Auto bewegte sich widerwillig, Zentimeter für Zentimeter, aber es kroch vorwärts. Der dramatischste Moment kam, als einer der selbstgebauten Streifen abriss – er wurde sofort durch ein Stück alter Plane ersetzt, das der Besitzer eines nahegeparkten Lieferwagens auftrieb. Und dann, nach vierzig Minuten puren Kampfes und allgemeiner Anspannung, bissen die Räder endlich in den festen Kies direkt am Rand des Asphalts. Die Menge applaudierte. Der Fahrer, verschwitzt und völlig verdreckt, schüttelte jedem die Hand. Der Hauptheld jedoch, der ältere Mechaniker, sagte bescheiden: „Ein guter Fahrer ist einer, der Ordnung im Kofferraum hält.“ Dieser Vorfall am Genfersee bewies eine einfache Wahrheit: Manchmal liegt die Rettung eines Ertrinkenden nicht in den Händen der Ertrinkenden selbst, sondern in dem alten Kram, den wir jahrelang mit uns herumfahren. Und natürlich – in den Menschen, die bereit sind, sich die Hände schmutzig zu machen, um ihrem Nächsten zu helfen.

